
KI-generiertes Bild
Zum Jahrestag des Überfalls von Putin auf die Ukraine
Wolfgang Weber, Vorstandsmitglied des SPD Ortsvereins Münster und an Nummer 4 der Liste für die Kommunalwahl, ist persönlich betroffen vom Ukraine-Krieg. Seine Ehefrau ist gebürtige Ukrainerin. Zum Jahrestag von Putins Überfalls auf die Ukraine gibt er einen persönlichen Rückblick und lenkt unseren Blick auf die Bedeutung dieses Krieges für uns.
Es ist Krieg. Seit 4 Jahren.
„Der 24.02.2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“ – mit diesen Worten eröffnete Olaf Scholz seine berühmte erste Regierungserklärung im Deutschen Bundestag kurz nach dem Überfall auf die Ukraine.
Heute jährt sich dieser Tag zum vierten Mal.
Für mich ganz persönlich beginnt das Gedenken an diesem Tag um 04:42 Uhr. Um diese Uhrzeit beginnt meine ganz persönliche Zeitenwende und wenige Minuten später auch jene meiner Frau.
Ich erinnere mich noch genau an die Schockstarre, als ich erstmals die Eilmeldungen über den russischen Überfall auf meinem Handy aufleuchten sah. Und um 04:48 Uhr, nachdem beim Anblick der ersten Bilder im TV klar wurde, dass russische Panzer keine 60 km mehr vor Kiew stehen und der Flughafen Hostomel bei Kiew als erobert gemeldet wurde (eine Falschmeldung, zum Glück), schrie ich meine Frau aus dem Bett und rief er ihr zu:
„Ruf‘ sofort Deine Mutter an, sie sollen sofort raus Kiew. Es ist Krieg.“
Gänsehaut kriege ich auch heute noch, wenn ich das schreibe.
Es ist Krieg. Ich, wir alle, waren uns sicher, diese 3 Wörter niemals zu irgendwem sagen zu müssen, nicht in Europa. Doch es ist geschehen. Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann ermessen, was es bedeutet, wenn man am Morgen nicht weißt, ob es die Heimat am Abend als freie Stadt noch gibt, wie es den Angehörigen in den Wirren und dem Chaos einer eingenommenen Stadt ergehen wird. Meine Frau, geboren und aufgewachsen in Kiew, hingegen weiß es. Und ihr Bangen und ihre Panik in den Morgenstunden des 24. Februar miterleben zu müssen, das waren auch die dunkelsten Stunden meines Lebens. Das vergesse ich nicht. Erst gegen 10:00 Uhr war klar, dass die Panzer (von Norden kommend) Kiew nicht so schnell erreichen werden, die Stadt nicht fallen wird – und die Autobahn nach Westen noch offen ist. Und es sollte nochmals mehrere Tage dauern, bis klar war, dass sie es auch bleiben wird. Bis heute.
