Demut ist keine bloße politische Haltungsnote

Das Votum der Wählerinnen und Wähler in Münster in der ersten Runde der Bürgermeisterwahl vom 09.08.2026 zeigt ein klares Ergebnis. Die mit erheblichem Aufwand betriebene Kampagne der Kandidatin der CDU blieb erfolglos.

Nun ist es im politischen Betrieb nicht unüblich, Niederlagen mit blumigen Worten in der Weise einzuordnen, dass das Wahlergebnis in erster Linie den schwierigen äußeren Umständen geschuldet war. Selbstverständlich war der eigene Wahlkampf hart in der Sache, aber stets fair, während die anderen Parteien mit ihren Kandidaten bzw. Kandidatinnen zu unlauteren Mitteln gegriffen, mit Unwahrheiten und Verleumdung gearbeitet zu haben. Und natürlich bleibt man dabei so vage, dass sich keiner der anderen Bewerber direkt angesprochen fühlen und gar reagieren muss. Im Schlusswort werden sodann alle ermahnt, zur Sachlichkeit und Sacharbeit zurückzukehren.

Genauso äußert sich jetzt die CDU öffentlich. Man könnte einen Haken daran setzen und sich wieder den zwei Kandidaten zuwenden, die sich am 30.08.2026 in einer Spannung versprechenden Stichwahl gegenüberstehen, Jörg Schröter und Marcus Milligan.

Die CDU spricht aber zusätzlich, was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, von „Demut“, mit welcher man das Wahlergebnis annehme. Das Wort verweht nicht gleich mit dem Winde, es bleibt dann doch haften.

Demut ist ein starkes Wort, insbesondere weil derjenige, der es für sich gebraucht, eine bestimmte innere Haltung nach außen tragen möchte. Es soll Reife zeigen, sowie die Größe, die Grenzen des eigenen Handelns anzuerkennen und die Einsicht, sich an diesen Grenzen künftig auszurichten.

Das ist doch jetzt mal was Neues. Daran werden wir die CDU in Münster, insbesondere aber ihre prägende Hauptfigur in der Gemeindevertretung, gerne messen. Und wir fangen gleich damit an:

Wer von „Demut“ spricht, unterstellt eben nicht in demselben Statement den politischen Mitbewerbern sowie Bürgerinnen und Bürgern pauschal unlautere Methoden. Wer von „Demut“ spricht, inszeniert sich gerade nicht zugleich als Opfer einer angeblich unfairen Kampagne oder schiebt die Geschlechterkarte vor, um vom eigenen inhaltlichen wie strategischen Scheitern abzulenken.

Scheinheiligkeit und Demut schließen sich aus. Wer den eigenen Wahlkampf der CDU Münster Revue passieren lässt, der erkennt sofort, dass hier ausgerechnet jene Partei den Zeigefinger hebt, welche im Vorfeld der Wahl selbst zu Methoden gegriffen hat, die dem von anderen eingeforderten Verhalten klar entgegenstehen: Wer seine politischen Möglichkeiten und Hebel dafür einsetzt, berechtigte Anträge und Tagesordnungspunkte anderer Fraktionen im Vorfeld einer Sitzung der Gemeindevertretung unrechtmäßig von der Tagesordnung nehmen zu lassen, nur um sodann exakt dieselben Ideen und Konzepte wenig später als eigene CDU-Initiativen im Bürgermeisterwahlkampf zu präsentieren, der betreibt Machtmissbrauch. Und natürlich fällt auf, dass ausgerechnet jene Partei sodann anderen vorwirft, sie würden Informationen aus dem Gemeindevorstand auf dem „heimischen Sofa“ zum Vorteil der eigenen Fraktion in der Gemeindevertretung austauschen.

Wer sich demütig zeigt, für den gelten Regeln, Transparenz und Anstand auch dann, wenn dies dazu führt, einen nach eigenem Empfinden politischen Vorteil nicht zu ziehen. Die ideologiegetragene Blockade von Beschlüssen, das Sabotieren der parlamentarischen Arbeit und das Verweigern einer sachorientierten interfraktionellen Kooperation müssen aufhören, wenn tatsächlich mit Demut aus dem Wahlergebnis etwas gelernt wurde.  Das wünschen wir uns.

Die Bürgerinnen und Bürger haben einer solchen Politik des Blockierens, Kopierens und nachträglichen Beklagens bei eigener Unredlichkeit eine klare Absage erteilt. Münster braucht und möchte Kräfte, die über Parteigrenzen hinweg ehrlich und konstruktiv an Lösungen für unsere Gemeinde arbeiten. Wir trauen das den beiden Kandidaten zu und stehen für eine entsprechende Zusammenarbeit bereit – für mehr Respekt, Transparenz und ein ehrliches Miteinander in Münster, sowohl im Rathaus, als auch in der Gemeindevertretung.