Transparenz darf in Münster nicht jeder, oder doch?
Transparenz darf in Münster nicht jeder, oder doch? – wir hätten mitgelacht, wäre es nicht ernst gemeint gewesen
In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 08.06.2026 haben wir alle etwas Neues gelernt – und dafür sind wir natürlich außerordentlich dankbar. Die Fraktion der FDP begründete einen von ihr gestellten Antrag zur Darstellung und Veröffentlichung von Investitionsmitteln der Gemeinde unter anderem damit, dass man das Ziel verfolge, mehr „Transparenz“ für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.
Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Thorsten Schrod, nutzte dieses Vorhaben für eine ganz grundsätzliche Erinnerung:
„Transparenz“ sei doch einer der Markenkerne von klar! und das müsse man respektieren, erstens bei der Konzeption eigener Anträge und zweitens bei deren Begründung. Mit anderen Worten: Nur klar! darf transparent sein, Transparenz einfordern, überhaupt als einzige politische Gruppierung in Münster mit diesem Begriff politisch arbeiten. Alle anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung müssen aus dem Licht treten, Männer und Frauen mit grauen Haaren und in grauen Anzügen, Halbgestalten mit zwielichtigen Verdunkelungsabsichten. Agenten, wie jener mit der Nummer BLW/553/c von der Zeitsparkasse.
Hmm-Hmm, ja ja. Hätten Sie es gewusst? Nein? Wir natürlich auch nicht. Aber unser geschätzter Kollege Thorsten Schrod, und das sind unsere Erfahrungswerte, weiß es bekanntlich immer besser. Wenn er spricht, verkündet er schließlich nicht bloß eine Meinung oder Vermutung, sondern das unumstößliche Recht, die absolute Moral und die ultimative Wahrheit in Personalunion.
Doch als notorisch skeptische Sozialdemokraten – wir haben da ja so eine angeborene, chronische Allergie gegen selbsternannte moralische Instanzen und unfehlbare Anführer – haben wir uns erlaubt, diese Eingebung kurz in der realen Welt zu überprüfen. Und siehe da, das schrod’sche Kartenhaus bricht krachend zusammen: „Transparenz“ ist ein popeliger Begriff der Alltagssprache. Den kann man sich weder rechtlich schützen lassen, noch exklusiv pachten – auch wenn man sich noch so staatstragend in Schale wirft.
Sorry, liebe Kolleginnen und Kollegen von klar!, da hat sich Euer politischer Bodyguard auf der Suche nach der absoluten Wahrheit leider komplett im Paragraphendschungel verirrt. Aber es hatte schon echten Unterhaltungswert, wie heroisch er sich für Euch in die Bresche geworfen hat. Es bleibt festzustellen, selten wurde im Saal so herzlich und kollektiv gelacht.
